LOTHAR BÖLCK

Vom komischen Füchslein zum Grandseigneur
Lothar Bölck, ein Leben fürs Kabarett

„Wer zählt die Völker, nennt die Namen/ Die gastlich hier zusammenkamen…“, schreibt Friedrich Schiller in seiner Ballade „Die Kraniche des Ibykus“.
In der Tat – wer kann sie zählen, Ihre Programme, Ihre Auftritte, ihre unzähligen Bemerkungen, Pointen, wer zählt die Säle, die Menschen, die Ihre Vorstellungen besuchten? Lothar Bölck, Sie sind eine Legende. Als Kabarettist in der DDR haben Sie ein großes Publikum gefunden in Frankfurt/Oder, Magdeburg und Leipzig. Nach der Wende dann blieben Sie bei der „Leipziger Pfeffermühle“ und gingen nach Berlin an die „Diestel“. Sie sind Autor und Regisseur, preisgekrönt! Ein Leben fürs Kabarett! Im Jahr 2008 gewannen Sie Gold in Rostock. Wir freuen uns riesig, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
Wie wurden Sie Berufskabarettist?
Lothar Bölck: Aus Versehen. Ich spielte in einem Kindertheater ein komisches Füchslein. Und ehe ich mich’s versah, landete ich Jahre später beim Kabarett. Übrigens, mein erster Satz auf der Bühne wurde zu meinem Lebensmotto: Wenn du freilich wie ein Tölpel herumtrampelst und schnaubst, wirst du es nie zu etwas bringen!
Wie definieren Sie das, was Sie machen?
Lothar Bölck: Ich bin Denkspieler und/oder Schaudenker.
Was hat sich in den letzten zwanzig Jahren verändert?
Lothar Bölck: Inzwischen teilt man die Kabarettisten extrem ein in die „politisch Zuverlässigen“ und die „Rechte Ecke“. Ich lasse mich von niemandem und nichts kategorisieren. Ich poche beharrlich und unverzagt auf die Freiheit der Kunst. Satire darf alles, wenn sie es kann.
Wie gehen Sie um mit dem woken und humorlosen Zeitgeist? Welchen Unterschied sehen Sie zwischen Comedy und Kabarett?
Lothar Bölck: Ich habe eine Losung der alten Achtundsechziger umgewidmet. Als junger Siebziger fordere ich: Lacht kaputt, was uns kaputtmacht!
Sie waren zu DDR-Zeiten Kabarettist. Welchen Unterschied zwischen der Zeit „im Osten“ und „im Westen“ gibt es für Sie bei der Ausübung Ihrer Kunst?
Lothar Bölck: Damals wie heute, hier wie dort gilt: Völker, hört die Skandale! In der DDR war das Publikum einheitlich grau-bunt, heute ist es sich gegenseitig nicht mehr grün.